Digitalisierung in der gesundheitlichen Selbsthilfe

Ergebnisse einer Online-Umfrage bei Selbsthilfeorganisationen

In einer standardisierten bundesweiten Online-Befragung von Selbsthilfeorganisationen „Digitalisierung in der gesundheitlichen Selbsthilfe – Ergebnisse einer Online-Umfrage bei Selbsthilfeorganisationen“ wurde 2019/2020 untersucht, welche Möglichkeiten und Grenzen der Digitalisierung in diesem Bereich existieren. Es wurde auch ermittelt, ob die Mitarbeitenden der Selbsthilfeorganisationen selbst Unterstützungs- und Qualifizierungsbedarfe hinsichtlich dieser Thematik haben.
Die Studie wurde vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der Medizinische Hochschule Hannover und der Hochschule für angewandte Wissenschaft und Kunst, Hildesheim/Holzminden/Göttingen durchgeführt und durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördert.

Die Studie wurde zwischen September 2019 und Februar 2020 und damit vor der Corona-Pandemie durchgeführt und spiegelt deshalb den Digitalisierungsschub, der in der Selbsthilfe stattgefunden hat nicht wider.
Dennoch liefert die Studie wichtige Erkenntnisse, sie ermittelte, dass Selbsthilfeorganisationen bereits eine Vielzahl an Erfahrungen mit digitalen Anwendungen (z. B. eigene Homepage, Social Media, Cloud-Systeme) machen konnten. Neben dem merklichen Nutzen, wie einer verbesserten Öffentlichkeitsarbeit (siehe Grafik 1), zeigen sich jedoch auch Probleme (siehe Grafik 2), die von fehlenden Ressourcen bis hin zu Fragen des Datenschutzes reichen. Insgesamt gibt es einen hohen Unterstützungs- und Weiterbildungsbedarf auf Seiten der Selbsthilfeorganisationen und Selbsthilfegruppen (siehe Grafik 3).

Quelle: Christopher Kofahl (2021) | Präsentation, AOK-Selbsthilfetagung „Selbsthilfe nach dem Corona-Lockdown – Upgrade auf ein neues Level“.

Weitere Studienergebnisse sind zu finden unter:
https://www.uke.de/extern/dish/ergebnisse.html

 


 

(Digitale) Austauschformate der Selbsthilfegruppen

Welche (digitalen) Formate Selbsthilfegruppen für ihre Gruppentreffen nutzen, erfragte die NAKOS bei der Befragung „Selbsthilfe im Blick 2022“ bei den Selbsthilfekontaktstellen in Deutschland.

Selbsthilfeformate

Selbsthilfeformate

Ein Großteil der Gruppen (92 % bzw. 14.707) trifft sich nach Informationen der Selbsthilfeberatenden ausschließlich vor Ort. Die restlichen Gruppen im hybriden Format (5 % bzw. 714) und drei Prozent (460) halten ihre Gruppentreffen ausschließlich digital ab.

 


 

Digitalisierungsschub bei den Selbsthilfekontaktstellen und Selbsthilfegruppen während der Pandemie

Bei einer Befragung der NAKOS von Januar bis Februar 2021 unter den Selbsthilfekontaktstellen (n=174) zeigte sich, dass es eine Zunahme der Selbsthilfe-Unterstützungsarbeit im digitalen Raum gibt.

Zum einen beraten die Mitarbeitenden der Selbsthilfekontaktstellen die Selbsthilfeaktiven vermehrt zu Themen der Digitalisierung zum anderen wünschen sich Selbsthilfeaktiv Beratung und Schulung zu digitalen Formaten. In konkreten Zahlen bedeutet das, dass bei 80% der befragten Selbsthilfeberater*innen (n=172) Anfragen zur Einrichtung von digitalen Austauschformaten/Gruppenräumen einging und mehr als die Hälfte (69%) der befragten Selbsthilfeberater*innen gebeten wurden Beratung und Schulung zu digitalen Formaten (u. a. Handhabung, Datenschutz, digitale Gruppenregeln) anzubieten.

Einschätzung der Selbsthilfeberater*innen zu neuen Austauschformaten

Die Selbsthilfeberater*innen beobachten, dass „Online-Treffen von den jüngeren Betroffenen gut organisiert werden“ (befragte Person Nr. 3). Die Form des Online-Treffens wird von einigen Gruppen als Belastung, von anderen als Chance wahrgenommen: „Zahlreiche Gruppen haben Online-Meetings früher oder später versucht, doch die meisten haben für sich beschlossen, dass sie die Präsenztreffen bevorzugen; einige Gruppen berichten jedoch, dass sie demnächst beides anbieten wollen, zum Beispiel für zwischendurch, wenn sich weit verstreute Gruppen so oder so nur vierteljährlich persönlich treffen können“ (befragte Person Nr. 63).

Mehr Ergebnisse der Befragung sind hier nachzulesen:

Quelle: Antonia Goldin, Jutta Hundertmark-Mayser (NAKOS) | Entwicklungen und Herausforderungen der Selbsthilfeunterstützung in Zeiten der Corona-Pandemie. In: DAG SHG – Deutsche Arbeitsgemeinschaft Selbsthilfegruppen e.V. (Hrsg.): selbsthilfegruppenjahrbuch 2021. Gießen 2023, S. 58-67.